Die Jahre nach dem Krieg sind zwar von Unsicherheiten geprägt, dennoch schafft es Max den "alten" Kundenstamm zu halten. So übersteht die HISTOREI die ersten Nachkriegsjahre und konnte das Stammpersonal nach und nach wieder beschäftigen.
Man entschied sich die ersten Kontakte in das Ausland aufzubauen. Dabei stand der Austausch von Erfahrungen im Fokus. Unternehmen aus der Schweiz waren hier von hoher Interesse, da diese im Bereich des Archivaufbaues weiter entwickelt waren und das Provenienzprinzip (Herkunftsprinzip) anstatt dem Pertinenzprinzip (Sachgruppen) nutzten, den Vorteil sah man bei der HISTOREI. Doch durch die wirtschaftlichen Herausforderungen sah man vorerst davon ab dieses System zu implementieren.
Der Haushaltsplan von 1955 zeigt welche Bemühungen angestrebt wurden, um Stabilität herzustellen: Rücklagenquote von 25%, Reinvestitionen 18%, private Entnahmen unter 10 %. Die beiden Männer ergänzten sich in dieser Phase deutlich. Mit der Möglichkeit des KfW (Kredit für Wiederaufbau) strebten die beiden eine Betriebserweiterung an mit einem vorsichtigen Wachstum in den ersten Jahren nach dem Krieg. [Haushaltsplan_1955]
Erst in den 1960er Jahren setzte ein nachhaltiges Wachstum ein. Weitere Bauunterlagen und Investitionspläne dokumentieren eine Verdreifachung der Produktionsfläche und einen Anstieg der Belegschaft von 20 auf 48 Mitarbeitende. [Bauakte_Erweiterung des Betriebsgebäudes_1960]
Das Untergeschoss sollte den neusten Archivstandards entsprechen. Dafür wurde ein Architekt aus der Schweiz beauftragt, der diese umsetzte. Somit besaß die HISTOREI bis in das Jahr 1982 das modernste Archivgebäude in und um Köln. Man konnte sich so zur Konkurrenz einen Vorsprung erarbeiten.
Aus Briefen zwischen den beiden Brüdern geht hervor, dass der bau anfangs ein enormer Streitfaktor war. Patrick war gegen diesen modernen Bau, da er immense Kosten verursachte. Jahrzehnte später erzählte er uns: "Gut das sich Max zu diesem Zeitpunkt durchsetze. [...] Diese Entscheidung führte uns in eine neue Zeit und prägte unsere Wahrnehmung auch bei späteren Entwicklungen." [Interview_Patrick_1998]
Ein entscheidender Faktor für die Zukunft sollte das Thema Innovation sein. Nach der Stabilisierung und dem einsetzenden Wachstum wurde als Leitbild für ein langjähriges Bestehen und die Absicherung der Angestellten verinnerlicht – Stabilität durch Innovation. Den Anfang machte ein Wissenstransfer aus der Schweiz. Die Vertretung APRO AG wurde aufgekauft, wordurch aus der ersten ausländischen Vertretung die erste Tochterfirma im Ausland wurde.
Man war sich bewusst, dass die Innovationskraft nur mit den richtigen Mitarbeiter:Innen auch langfristig gesichert werden kann. Aus den Hausakten geht hervor, dass bereits 1964 die ersten Ausbildungsangebote entstanden. Um der speziellen Aufgabe der Wirtschaftsarchive gerecht zu werden, wurde die Ausbildungswerkstatt, auf die die HISTOREI noch heute stolz ist, aufgebaut.
Hier wurde den Auszubildenden eine zusätzliche inhaltliche Vertiefung vermittelt. Eine Mitarbeiterin erinnert sich heute noch daran "Die Abteilungen waren froh, wenn Marke Eigenbau nach Abschluss im Unternehmen anfingen." [Mitarbeitergespräch_Frau Schulz]